„What do you buy the children of the Terrorist who tried to kill your wife? A Memoir“

In den letzten Wochen und Monaten hat mich das Thema „Überwachung“ sehr stark beschäftigt. Wie wichtig ist mir „Sicherheit“ (die ja immer nur „relativ“ sein kann)? Inwieweit bedeutet jeder Wunsch nach Sicherheit auch einen Verzicht auf Freiheit? Gerade die Abwägung zwischen Sicherheit und Freiheit wird immer wieder mit der Terrorismusgefahr begründet.  Aber wie groß ist diese Terrorismusgefahr? Ich bin zugegebenermaßen froh, daß ich bisher mit diesem Thema nur als Fernsehzuschauerin zu tun hatte (und hier sollte ich dann irgendwann noch etwas zur „availability cascade“ aus „Thinking, Fast and Slow“ von Daniel Kahneman schreiben). Aber wie gehen Betroffene damit um?

Gerade als ich also intensiv über das Spannungsfeld Sicherheit und Freiheit nachdachte, fiel mir das Buch von David Harris-Gershon in die Hände. David erzählt eine sehr persönliche Geschichte – nämlich die Geschichte von sich und seiner Frau Jamie. David und Jamie stammen beide aus den USA. Sie haben sich innerhalb der jüdischen Gemeinde ihres Arbeits- bzw. Studienortes kennengelernt, ineinander verliebt und geheiratet. Kurz nach der Hochzeit  entscheiden sie, gemeinsam in Israel zu studieren. Am 31.07.2002 wird Jamie bei einem Anschlag auf die Cafeteria der Universität schwer verletzt, zwei ihrer Freunde sterben. David ist zu dem Zeitpunkt in der gemeinsamen Wohnung und erfährt telefonisch, daß Jamie verletzt ist. Und mit dieser Verletzung ändert sich das Leben für beide – doch beide verarbeiten diese Zeit sehr unterschiedlich.

David Harris-Gershon schildert in seinem Buch den gemeinsamen Weg nach Israel, sein Erleben des Anschlags, Jamies Genesung (sowohl körperlich als auch psychisch), den Konflikt zwischen Israel und Palästina, seine Gedanken zu „Sicherheit“, seine eigenen Probleme mit der Situation und seinen Weg, der ihn schließlich zurück nach Israel und zu der Familie des damaligen Attentäters führt.

Ich bin froh, daß ich dieses Buch gefunden und gelesen habe. Es ist kein Buch, daß sich „einfach so“ lesen läßt. Ja, es ist spannend und es ist sehr gut geschrieben. Aber die Gedanken und Ängste gingen mir auch sehr nahe. Es ist gleichzeitig aber auch ein Buch, daß hoffen läßt, weil David im Laufe der Zeit seinen Weg findet, das Geschehene zu verarbeiten und zwar ohne Verzweifelung und ohne Rache. In diesem Sinne hoffe ich, daß das Buch von vielen Menschen gelesen wird.

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