Tag der Handschrift

Gestern war der (mir bis gestern völlig unbekannte) Tag der Handschrift. Ich habe das über Twitter so spät mitbekommen, daß ich keine Chance mehr hatte, etwas dazu zu schreiben. Ich finde diese „Gedenktage“ auch nicht wirklich wichtig, aber manchmal sind sie ein guter Grund, sich mit einem Thema etwas eingehender zu beschäftigen. Heute also mit dem Thema „Handschrift“ und damit mit der Frage, wo und wann ich mit der Hand schreibe.

Die letzten Jahre haben einige Veränderungen gebracht. Früher habe ich bei Vorträgen oft Stichpunkte mit der Hand auf einem Block notiert. Diese Aufzeichnungen habe ich dann (irgendwann) abgeheftet und (weniger oft) später noch einmal angeschaut. Es war einseitig. Irgendwann im Jahr 2012 habe ich angefangen, meine „Aufzeichnungen“ zu twittern – ich habe sie also nicht mehr handschriftlich gemacht, sondern über Twitter (und mit einem Hashtag versehen) mit meiner Timeline geteilt. Das war für mich tatsächlich ein großer Gewinn. Meine Aufzeichnungen waren nicht mehr einseitig und verstaubten nicht mehr in einem Ordner, plötzlich entstand aus Fragen und Gedanken ein Austauch mit der „Welt draußen“, die mir oft auch gut Anregungen gegeben hat. Spannende Gespräche sind daraus entstanden und natürlich viele Twitterbekanntschaften (die zum Teil auch zu echten Bekanntschaften oder Freundschaften geworden sind).

Ganz früher habe ich viele handschriftliche Briefe und Postkarten geschrieben. Damals hatte ich natürlich mehr Zeit (oder – um ehrlich zu sein – ich habe mir die Zeit genommen). Heute schreibe ich in vielen Fällen mal eben eine Email. Aber es ist schade, wenn man nur noch Emails erhält. Also habe ich vor einiger Zeit angefangen, zumindest den Menschen, die mir wichtig sind, gelegentlich eine Postkarte oder einen Brief zu schreiben. Ja, das klappt nicht immer und alle Jahre wieder sitze ich leicht verzweifelt vor der Liste der Menschen, denen ich gerne eine Weihnachtskarte schreiben würde, aber der gute Wille ist da. Es ist einfach schöner, wenn man gelegentlich etwas Handgeschriebenes erhält.

Was ich immer noch und unverändert handschriftlich mache? Wenn ich Fach- und Sachbücher lese, dann schreibe ich mir wichtige Aspekte auf. Das mache ich immer noch handschriftlich. Natürlich könnte ich die Stichpunkte schneller und einfacher durchsuchen und wiederfinden, wenn ich das am Rechner machen würde. Aber es gehört zu meinem Genuß des Lesens dazu, daß ich einen Block und einen Stift vor mir liegen habe und mir die wichtigen Punkte (und eventuelle Assoziationen) aufschreibe. Vieles merke ich mir dadurch auch besser, als wenn ich es „nur“ lese (leider nicht alles). Diese Aufzeichnungen blättere ich tatsächlich durch, wenn ich einen bestimmten Aspekt oder Gedanken suche.

Auch berufliche Gespräche notiere ich handschriftlich. Meistens füge ich sofort meine Gedanken und Assoziationen hinzu, damit ich später nicht „bei Null“ anfangen muß. Für jedes Gespräch natürlich ein separates Blatt – die einzelnen Blätter kommen dann in den entsprechenden Ordner oder die ensprechende Akte.

Neu hinzugekommmen ist im Jahr 2016 etwas, das ich seitdem (mit kleinen oder größeren Unterbrechungen) mache. Ich schreibe irgendwann am Tag handschriftlich drei Seiten. Eigentlich sollte man das morgens machen (die berühmten „Morgenseiten“), aber morgens komme ich einfach nicht dazu und so habe ich meine eigene Art gefunden, das zu machen. Diese drei Seiten sind der Ort, wo ich Gedanken und Ideen entstehen lasse, mir Ärger und Ängste von der Seele schreibe, über vieles nachdenke und manches festhalte, was mir später hilft. Mittlerweile habe ich einen ganzen Ordner voll, den nächsten Ordner werde ich bald anfangen. Diese drei Seiten sind vor allem eine Fundgrube für Blogthemen, neue Methoden oder Ansätze in den Workshops oder auch konkrete Übungen. Viele dieser Gedanken und Ideen habe ich noch nicht umgesetzt, aber es ist schön zu wissen, daß es diese „Fundgrube“ gibt.

Irgendwie ist daher (fast) jeder Tag für mich ein „Tag der Handschrift“. Eigentlich schön, oder?

Gar nicht so einfach ….

…. mit der Lebensfreude. Also eher: gar nicht so einfach über Lebensfreude zu schreiben. Irgendwie ist das Gefühl der Lebensfreude entweder „da“ oder „nicht da“, aber es läßt sich nicht einfach definieren, analysieren, in Worte packen. Das Gemeine: Lebensfreude stellt man oft erst im Nachhinein fest. In scheinbar einfachen und alltäglichen Begegenheiten, in der Schönheit des Alltags, den man – „mittendrin“ – oft gar nicht so deutlich wahrnimmt. Also keine leichte Aufgabe für mich, denn ich habe ja für dieses Jahr mein „Projekt Lebensfreude“.

Aber im Zurückdenken an die schönen Momente der letzten Jahre sind mir doch ein paar Situationen eingefallen, in denen ich ganz klar Lebensfreude gespürt habe und die ich auch jetzt heraufbeschwören kann. Für mich sind das die kürzeren oder längeren Spaziergänge, die Wanderungen – allein oder zu mehreren, manchmal auch die damit verbundene Einkehr in einem Café oder Restaurant. Die relativ langsame Bewegung durch die Landschaft, das Wahrnehmen der sich mit den Jahreszeiten verändernden Umgebung, das gedankliche Gespräch mit mir selbst oder das tatsächliche Gespräch mit anderen, lösen bei mir Lebensfreude aus. Das mag nicht immer funktionieren, nicht überall, nicht bei jedem Wetter – aber meistens ist es doch so. Und ich merke es auch, wenn ich länger keinen Spaziergang oder keine Wanderung gemacht habe. Dann fehlt mir etwas, ich werde unruhig. Die Bewegung beim Spaziergang gibt mir Zeit und Raum nachzudenken, das Leben zu genießen und mich an schöne andere Spaziergänge und Wanderungen zu erinnern.

Schön, wenn es so einfach sein kann!

Keine Vorsätze!

Am Sonntag, kurz vor Mitternacht, kam die Frage: Welche Vorsätze habt Ihr denn für das neue Jahr? Die meisten in unserer kleinen Runde zögerten sichtbar, niemand nannte einen konkreten Vorsatz, auch der Frager offenbarte seine Vorsätze für das neue Jahr nicht. Es ist ja gar nicht so leicht mit den „guten Vorsätzen“. Es gibt auch in meinem Leben viele Dinge, die ich besser tun sollte oder auch nicht mehr oder zumindest weniger tun sollte. Meine Liste könnte also wie folgt aussehen: früher aufstehen, früher ins Bett gehen, weniger Bücher kaufen, weniger Süßigkeiten essen, weniger Geld ausgeben ….. Alles durchaus sinnvoll und alles Dinge, über die ich schon oft nachgedacht habe. Aber das als Vorsatz für das neue Jahr? Nein, lieber nicht. Nicht, weil ich versagen oder scheitern könnte. Ganz im Ernst: wer hält bei seinen Neujahrsvorsätzen schon lange durch? Sondern eher, weil ich lieber darübernachdenken möchte, was ich in diesem Jahr – nach einem Jahr mit großen persönlichen Herausforderungen (siehe mein Beitrag vom 31.12.2017) denn versuchen möchte, angehen möchte, für mich thematisieren möchte. Für mich heißt es also: keine Vorsätze, aber ich habe viel vor!

Es sind diese Vorhaben, die meine Zeit im Laufe des Jahres hoffentlich mit spannenden, schönen und sinnvollen Inhalten füllen werden. Und was habe ich vor?
– wieder täglich drei Seiten schreiben. Ich habe in der Weihnachtszeit wieder angefangen und ich merke, wie gut es mir tut, einmal am Tag auf drei Seiten die Dinge festzuhalten, die mir einfallen, die mich bewegen, die mich stören oder an die ich mich gerade erinnere. Nur für mich, ohne konkretes Ziel und doch habe ich den Eindruck, daß sich aus diesen drei Seiten immer wieder spannende Gedanken und Inhalte ergeben, die ich weiterverfolgen kann und möchte.
– in diesem Blog eine Kategorie mit dem Namen „Projekt Lebensfreude“. Ich habe zu Weihnachten einen Notizkalender geschenkt bekommen, in dem es um die kleinen Freuden im Alltag geht. Es gibt so viele Gründe, die meisten Tage als Geschenk zu sehen und zu genießen – das war im letzten Jahr so und das wird auch in diesem Jahr so sein. Mit meinem „Projekt Lebensfreude“ möchte ich das für mich deutlicher und sichtbarer machen.
– wieder mehr Blogbeiträge schreiben (damit habe ich ja wenigstens schon angefangen …..)
– das Fragencafé mit Ruth mit vielen spannenden Inhalten füllen.
– mich wieder mehr mit Fremdsprachen beschäftigen. Es ist so schön, Texte oder gar Bücher in einer Fremdsprache zu lesen, Unterhaltungen in einer anderen Sprache zu verstehen und sogar mitreden zu können. Aber das erfordert auch stetige Übung …….
– endlich einige meiner vielen ungelesenen Bücher lesen. Es gibt so viele Bücher, die ich voller Vorfreude gekauft habe und noch nicht lesen konnte.
– meiner Neugier folgen und neue Themen, Orte und vor allem Menschen „entdecken“.

Das Schöne: nichts davon ist „verpflichtend“, nichts ist ein Muß, alles ist ein schönes „Kann“ und das macht es für mich umso reizvoller.

Ich wünsche auch Euch/Ihnen für 2018 wunderbare Vorhaben und viel Lebensfreude!

Einen Moment des Innehaltens und der Dankbarkeit

In wenigen Stunden geht ein Jahr zuende, das mir besondere Herausforderungen gebracht hat. Ich möchte diese Stunden nicht vergehen lassen, ohne kurz innezuhalten und noch einmal in Dankbarkeit an das zurückzudenken, was in diesem Jahr für mich besonders wichtig war.

Ich bin dankbar, daß ich beim Jahreswechsel 2016/2017 noch nicht wußte, welche Herausforderungen das Jahr für mich bringen würde. Es waren schöne und unbeschwerte Feiertage.
Ich bin dankbar, daß ich die Zeit und die Möglichkeit hatte, meine Mutter auch in den letzten Monaten bis zu ihrem Tod am 5. Dezember zu begleiten.
Ich bin dankbar, daß ich im August gemerkt habe, daß sich ihr gesundheitlicher Zustand verschlechtert und ich noch Zeit mit ihr verbringen konnte.
Ich bin dankbar, daß die SAPV Wuppertal GmbH uns in den letzten knapp zwei Wochen vor ihrem Tod betreut und begleitet hat.
Ich bin dankbar, daß ich meine Mutter ohne Tränen auf dem Weg ins Hospiz begleiten konnte. Es fiel mir so unendlich schwer, aber ich wollte ihr diesen Weg nicht noch schwerer machen.
Ich bin dankbar für die vielen Menschen, die mich im Laufe dieses Jahres – gerade auch während der schweren Zeiten begleitet haben. Danke vor allem an Ruth, Anni, Barbara, Birgit und Angela!
Ich bin dankbar, daß Menschen mir im Laufe dieses Jahres persönlich oder auch beruflich ihr Vertrauen geschenkt haben.
Ich bin dankbar, daß Menschen gerade in den Wochen und Monaten, in denen es meiner Mutter nicht gut ging, viel Verständnis für mich gezeigt haben.
Ich bin dankbar für die vielen guten Gespräche, die ich im Laufe dieses Jahres persönlich aber auch online geführt habe.
Ich bin dankbar für die vielen schönen Erinnerungen, die ich auch in diesem Jahr sammeln durfte.
Ich bin dankbar, daß Menschen mich über die Feiertage einladen wollten und mir Türen geöffnet haben. Ich bin nur wenigen Einladungen gefolgt, aber es war schön zu wissen, daß diese Menschen für mich da waren.
Ich bin dankbar für die vielen herzlichen Tweets, die Beileidskarten und die persönlichen Gespräche nach dem Tod meiner Mutter.
Ich bin dankbar für die Kontakte und Bekanntschaften, die sich im Laufe des Jahres ergeben haben.
Ich bin dankbar für die vielen lustigen und interessanten Twittergespräche – besonders gerne denke ich an den „Ameisenthread“ zurück.
Ich bin dankbar, daß ich die Herausforderungen des Jahres 2017 „gemeistert“ habe. Es war nicht einfach, aber ich möchte diese Zeit nicht missen! Danke an alle, die mich begleitet haben!

Ein Déjà-lu …..

Am Samstag hatte ich ein „Déjà-lu-Erlebnis“ – nein, das ist kein Tippfehler und nein, ich meine kein Déjà-vu. Es ging wirklich um das lesende Erleben einer Situation, die ich vor kurzem an anderer Stelle gelesen habe.

Im Dezember habe ich im Rahmen des Adventskalenders das Buch „Se una notte d’inverno un viaggiatore“ von Italo Calvino vorgestellt. Ich habe das Buch noch nicht zuende gelesen (reiner Zeitmangel und Ablenkung durch viele gute Bücher), aber der prägende Aspekt war für mich, daß der Leser in einem sehr spannenden Moment feststellt, daß die Geschichte im Buch nicht weitergeht, weil er einen Fehldruck in der Hand hält.

Am Samstag hatte ich mir – als gleichermaßen spannende und entspannende Lektüre für die Pausen an einem langen Unterrichtstag (Dozentenschicksal) – das Buch „Das Museum der Unschuld“ von Orhan Pamuk eingesteckt. Ich saß also in der Mittagspause mit meinem Buch an einem ruhigen Ort und las die Geschichte von Kemal, Sibel und Füsun bis …. ja, bis ich erwartungsvoll vom Ende der Seite 384 – wo es um einen Jeton zum Telefonieren ging – zum Anfang der nächsten Seite schaute und da ging es plötzlich nicht mehr um einen Jeton. Ich dachte zunächst, daß ich vor Müdigkeit (frühes Aufstehen an Kurstagen ist nicht gerade meine leichteste Übung) irgendetwas übersehen oder überlesen hatte. Aber nein. Kemal schildert am Ende meiner Seite 384 daß er einen „gerändelten Je-“ hat und auf der nächsten Seite geht es dann nicht, wie ich erwartete mit „ton“ weiter, sondern mit „nommen und das würde nur sehr schwer zu ertragen sein“.

Ich war einen Moment ratlos. Dann fiel mein Blick unten auf die Seitenzahlen – nach der bereits gelesenen Seite 384 (links unten) kam nämlich (rechts unten) Seite 353. Ich blätterte schnell weiter – wobei ich sofort an das Buch von Italo Calvino dachte. Ja, statt der Seiten 384 bis 416 enthält mein Exemplar zweimal die Seiten 353 bis 384. Das ist mir auch noch nicht passiert und irgendwie witzig, daß es mir gerade jetzt – kurz nach dem Entdecken und Anlesen des genialen Buches von Italo Calvino – passiert ist.

Ich bin noch unschlüssig, was ich jetzt mache. Natürlich hätte ich (aus rechtlicher Sicht) die Möglichkeit ein anderes Exemplar zu bekommen – aber vielleicht sollte ich jetzt erst einmal das Buch von Italo Calvino weiterlesen, was sich dort ergibt, bevor ich den Kaufbeleg heraussuche und irgendetwas unternehme. Und: ganz ehrlich, irgendwie ist es ja auch witzig, einen solchen Fehldruck zu besitzen ….. obwohl ich ja schon gerne wissen würden, was Kemal und Sibel auf den Seiten 385 bis 416 erleben. Es fühlt sich komisch an, das Buch im Wissen dieser Lücke einfach auf Seite 417 weiterzulesen.

Mein Lesezeichen befindet sich jedenfalls noch unverändert auf der ersten Seite 384.

24. Dezember – Z

Z – der letzte Beitrag im diesjährigen Adventskalender und mit Zygmunt auch ein inhaltlich passender Beitrag. Zygmunt Bauman hat ein Essay über Migration und Panikmache geschrieben – „Die Angst vor den anderen“. Schon die Überschrift besagt deutlich, warum dieses Buch, das (zumindest zum Teil) in diesem Jahr geschrieben und veröffentlicht wurde, so aktuell ist.

Mir hat das Buch schon auf den ersten Seiten die Erkenntnis gebracht, daß ich eher „mixophil“ bin. Das Wort kannte ich vor dem Lesen des Buches nicht – aber es gefällt mir. Es steht für eine Vorliebe für vielfältige Umgebungen, die unbekannte und unerforschte Erfahrungen und Entdeckungen ermöglichen. Ja, das paßt und das paßt auch gut zu den Büchern von Alain de Botton und Carl Naughton – das Entdecken der kleinen Dinge und die Kultivierung der Neugier.

Vielleicht ist Zygmunt Bauman mit seinem Essay gerade deshalb ein guter Abschluß – er verbindet meine roten Fäden dieses Jahres – das Reisen (körperlich oder auch nur gedanklich), die Sorge um den Umgang miteinander und den Umgang mit Sprache, den Wert der Neugier und der Freude an Entdeckungen. In seinem Essay geht es Zygmunt Bauman gerade nicht darum, dem Leser Angst einzujagen, sondern die Wege und Mechanismen der „Angst“ und der „Angsterzeugung“ rund um das Thema Migration aufzuzeigen.

Ein gutes Buch, das – weil es Solidarität zwischen den Menschen einfordert – besonders gut zu Weihnachten und damit zu diesem Adventskalender paßt.

Damit möchte ich den Adventskalender für dieses Jahr schließen. Ich wünsche Euch/Ihnen wunderbare Weihnachtstage und einen guten Start in das neue Jahr.

23. Dezember – Y

Es gibt Buchstaben, die sind einfach „schwierig“ – das „X“ gehört dazu. Ich habe zwar mittlerweile tatsächlich einen Autoren gefunden, dessen Vorname mit X anfängt, aber ich habe sein Buch bisher nicht gelesen.

Daher überspringe ich das X an dieser Stelle und wechsle zum auch nicht sehr häufig bei Vornamen vertretenen „Y“. Ein Autor ist mir zum „Y“ sofort eingefallen – Yann, nämlich Yann Martel. Ich habe schon mehrere Bücher von ihm gelesen und ein ungelesenes Buch befindet sich auch noch in einem Bücherstapel. Hier und heute möchte ich auf „Beatrice and Virgil“ (deutsch: Ein Hemd des 20. Jahrhunderts) hinweisen.

Es ist ein Buch, das mich überrascht und verwirrt hat und das (irgendwie) auch gut zur aktuellen Zeit paßt. Aber bevor ich zu viel erzähle möchte ich lieber auf einen wunderbaren Ausschnitt (in englischer Sprache) verlinken. Ich habe das Buch gelesen, ohne vorher zu wissen, worum es geht und alles, was ich beim Lesen dachte, war irgendwie falsch. Eine faszinierende Erfahrung!

In diesem Sinne wünsche ich Euch/Ihnen einen faszinierenden 23. Dezember.

22. Dezember – W

Zwei Autoren, deren Vorname mit „W“ anfängt, habe ich für heute ausgewählt und beide bringen etwas Heiterkeit in meinen Blogbeitrag.

Beginnen möchte ich mit William und zwar William Shakespeare. Vor 400 Jahren ist William Shakespeare gestorben – aber seine Werke werden immer noch gelesen, aufgeführt und geliebt. Dieses Jahr habe ich „The Merry Wives of Windsor“ (deutsch: Die lustigen Weiber von Windsor) gelesen und als sommerliche Freilichttheateraufführung gesehen. Es ist eine spaßige und durchaus turbulente Komödie, die von unechten und echten Gefühlen, Betrug und Verwechselung lebt. Das Werk ist eher unbekannt – es war aber gerade spannend, etwas zu lesen und zu entdecken, was nicht jeder in- und auswendig kennt.

Das zweite „W“ gehört Wilhelm Busch. Immer mal wieder blättere ich in seinen Gedichten. Gerade eben habe ich das – heute doch thematisch sehr aktuelle – Gedicht „Rechthaber“ gefunden, tröstlich ist dagegen „Vertraut“. Viel mehr gibt es da noch zu entdecken – doch bei diesen beiden Fundstücken möchte ich es für heute bewenden lassen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch/Ihnen einen harmonischen 22. Dezember.

21. Dezember – V

Datenschutz, der Umgang mit Daten und Algorithmen und das Thema Überwachung waren (nicht nur) in diesem Jahr wichtige Themen – gerade heute gab es ein Urteil des EuGH zur Vorratsdatenspeicherung. Es ist daher wenig überraschend, daß ich in diesem Jahr das Buch „Big Data“ von Viktor Mayer-Schönberger (und Kenneth Cukier) gelesen habe. Viktor Mayer-Schönberger ist damit meine Auswahl für den Buchstaben „V“.

Im Mai 2014 habe ich – eher zufällig – Viktor Mayer-Schönberger auf der republica in Berlin gehört. Der Vortrag zum Thema „Freiheit und Vorhersage: Über die ethischen Grenzen von Big Data“ war grandios, verstörend im Hinblick auf mögliche Folgen und ist glücklicherweise immer noch online. Doch was ist ein Vortrag von 45 Minuten gegen ein ganzes Buch?

Dieses Jahr habe ich das Buch gelesen und mich mit vielen spannenden Aspekten – positiver und negativer Art – zum Thema „Umgang mit Daten“ beschäftigt. Es ist enorm, welche Chancen in Big Data stecken können – gleichzeitig gibt es aber auch (ebenfalls enorme) Risiken. Wir können die technische Entwicklung nicht aufhalten – aber mit dem Wissen um Chancen und Risiken können wir die Entwicklung hoffentlich mitgestalten – rechtlich, gesellschaftlich und politisch. Damit wäre aus meiner Sicht schon viel gewonnen.

In diesem Sinne wünsche ich Euch/Ihnen einen spannenden und erkenntnisreichen 21. Dezember.

20 Dezember – U

Autorinnen und Autoren, deren Vorname mit „U“ beginnt, sind in meinen Bücherregalen und Bücherstapeln irgendwie wenig vertreten. Es gibt sie, aber sie fallen nicht sofort auf, springen nicht ins Auge. Vielleicht ist mir deswegen der Autor, den ich heute ausgewählt habe, erst beim zweiten Blick aufgefallen. Udo Marquardt hat das wunderbare Buch „Spaziergänge mit Sokrates“ geschrieben. Es ist ein Buch, in das ich immer mal wieder reinschaue – vor allem den Teil „Kaffee oder Tee“ mag ich besonders gerne (ganz ehrlich: heute habe ich mich am Abend für einen Glühwein auf dem Wuppertaler Weihnachtsmarkt entschieden). Aber zurück zur Frage „Kaffee oder Tee“ – darin steckt mehr als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Für Kaffeetrinker ist – laut Udo Marquardt – Zeit ein Pfeil, die Zeit läßt sich nicht umkehren. Für Teetrinker ist Zeit ein Kreis, es besteht daher für Teetrinker kein Grund zur Eile, denn alles wiederholt sich.

Für mich (Teetrinkerein) ein schöner Gedanke – wobei ich mir auch Zeit als Pfeil durchaus vorstellen kann, aber der Gedanke des Kreises liegt mir näher. Aber es gibt in diesem Buch noch viel mehr zu entdecken! Es sind viele schöne Geschichten über Philosophen und philosophische Themen, die Udo Marquardt in seinem Buch zusammengetragen hat.

Pfeil oder Kreis? Tee oder Kaffee? Mit dieser Frage wünsche ich Euch/Ihnen noch einen angeregten und anregenden 20. Dezember.